32. Erlanger Poetenfest — 23. bis 26. August 2012
Bilderbuch-Lesewiese im Schlossgarten – Foto: Erich Malter, 2007

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Julia Schoch

Nach ihrem Debüt, dem Erzählungsband „Der Körper des Salamanders“, war sich die Kritik einig, dass die 1974 im ostdeutschen Bad Saarow geborene Julia Schoch eine außergewöhnliche und formal unbestechliche Autorin ist. Ihr neuer kurzer Roman „Selbstporträt mit Bonaparte“ ist ein kleines Meisterwerk. Es handelt, wie fast all ihre Texte, von der Liebe und von den Kriegen. Den Kriegen der Vergangenheit und der Gegenwart. Diesmal kommt eine Manie dazu. Die des Spielers. 700 Besuche im Kasino von P. werden am Ende des Romans von der Ich-Erzählerin notiert sein. Die meisten davon gemeinsam mit Bonaparte, dem geheimnisvollen Geliebten. Die erotische Verstrickung ist an das Spielen gekoppelt, draufgängerisch, bedingungslos, tollkühn und besessen. Bonaparte benimmt sich wie ein Krieger, ihn umgibt eine „sonderbare Unverbindlichkeit auf Dauer“. Die Ich-Erzählerin, die Texte für Fotobände verfasst, wird auch ihr eigenes Leben mit Bonaparte dokumentieren, damit das Vergehen der Zeit nicht verschwindet, wie das Geld in der Spielbank. Julia Schochs Roman ist ein Buch von hoher literarischer Kraft. Er lebt von seiner Poesie und den klugen Einsichten, über die Dauer von Zeit und Ewigkeit und den Kern des Lebens. „Selbstporträt mit Bonaparte“ ist eines der großen schmalen Bücher dieses Herbstes. (V. A.)
Auszeichnungen u. a.: Förderpreis des Landes Brandenburg für Literatur (2001), Friedrich-Hölderlin-Förderpreis der Stadt Bad Homburg (2002), Förderpreis zum Meersburger Droste-Preis (2003), Stefan-George-Preis für Übersetzer französischer Literatur (2004), Preis der Jury beim Ingeborg Bachmann-Wettbewerb (2005), Stadtschreiberin in Dresden (2006), Stadtschreiberin von Rheinsberg (2007), André-Gide-Preis für deutsch-französische Literaturübersetzungen (2010), Aufenthaltsstipendium der Deutschen Akademie Rom Casa Baldi (2011).

Veröffentlichungen (Auswahl):
– „Der Körper des Salamanders“, Erzählungen, Piper, München 2001
– „Verabredungen mit Mattok“, Roman, Piper, München 2004
– „Steltz & Brezoianu. Ein Mosaik für Leidenschaftliche“, Zeichn. von S. Weisweiler, ed. Azur, Dresden 2007
– „Mit der Geschwindigkeit des Sommers“, Roman, Piper, München 2009
– „Selbstporträt mit Bonaparte“, Roman, Piper, München, August 2012

Sonntag, 26. August, 16:30 Uhr, Schlossgarten

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Website:
www.juliaschoch.de