31. Erlanger Poetenfest — 25. bis 28. August 2011
Nebenpodium im Schlossgarten. Moritz Rinke im Gespräch mit Verena Auffermann – Foto: Erich Malter, 2006

Veranstaltung


Aufbruch ins Außergewöhnliche – Die lange Nacht der Abenteuer
Lesungen und Gespräche mit Alex Capus, Christian Jostmann, Achill Moser und Judith Schalansky, Moderation: Herbert Heinzelmann
Lesungen: Tanya Häringer

Wann hat das Erzählen über das Abenteuer begonnen? Als Gilgamesch und Enkidu sich aufmachten, um Ungeheuer zu jagen? Als Odysseus auf unbekannte Inseln verschlagen wurde? Das Abenteuer war von Anfang an Stoff der Literatur. Und immer beschrieben die Erzählungen den Aufbruch aus dem Gewöhnlichen in das Außergewöhnliche. Anlässe waren Versprechungen von Schätzen, Herausforderungen neu entdeckter Kontinente, Bewährungsgelübde für das Herz einer Frau oder auch nur die Lust auf die Flucht aus dem Alltag. Der Abenteurer ist kein Mensch des häuslichen Herdes. Er erforscht und erobert die unbekannten Territorien. Und die Menschen am Herd fiebern mit ihm, wenn von seinen gefährlichen Erlebnissen berichtet wird.
Jetzt, da der Globus vermessen ist, könnte das Abenteuer gänzlich zu einer Fiktion der Literatur und anderer Medien gerinnen. Man reist dann mit dem Finger auf dem Atlas zu abgelegenen Inseln. Oder man denkt sich neue Geschichten über die alten Erzähler von Abenteuern aus, vielleicht über Robert Louis Stevenson, von dem gerade einige Bücher erstmalig ins Deutsche übersetzt wurden. Man kann auch nach den letzten Geheimnissen realer Abenteurer forschen, etwa denen von Roald Amundsen und Robert F. Scott, deren Wettkampf um die Eroberung des Südpols sich im Dezember zum 100. Mal jährt. Und schließlich kann man es doch noch selbst versuchen: das Abenteuer in den Wüsten der Gegenwart oder die Wanderung auf den Spuren von Abenteurern, die manchmal auch Dichter waren. Die Sehnsucht nach dem Außergewöhnlichen scheint unstillbar zu sein, und der Literaturmarkt hält immer Abteilungen für die Sehnsuchtsindustrie bereit. In der langen Nacht der Abenteuer machen wir uns nochmals auf den Weg ins Unbekannte – zu Stevenson und fernen Inseln, zur Polarnacht, zu Wüstenerfahrungen und den Eindrücken von Pilgerreisen. Wir verfolgen Abenteuerhelden in Comics und träumen uns im Mitternachtsfilm „Der Schatz der Sierra Madre“ (s/w, USA 1948, Regie: John Huston, 126 min) auf die Suche nach einem Schatz, der vielleicht nur eine Lüge ist. Als Expeditionsleiter fungiert Herbert Heinzelmann.

Alex Capus: Reisen im Licht der Sterne. Eine Vermutung. Knaus Verlag, 2005, Taschenbuch, btb, München, 14. Nov 2011
Christian Jostmann: Das Eis und der Tod. Scott, Amundsen und das Drama am Südpol. C. H. Beck. München, 31. Aug 2011
Achill und Aaron Moser: Über die Alpen nach Italien. Zu Fuß 1500 Kilometer auf den Spuren Heinrich Heines. Sachbuch. Hoffmann und Campe Verlag. Hamburg, Apr 2011
Judith Schalansky: Atlas der abgelegenen Inseln. Fünfzig Inseln, auf denen ich nie war und niemals sein werde. mareverlag. Hamburg 2009

Samstag, 27. August, 20:30 Uhr, Schloss, Senatssaal (1. OG)
Eintritt: 9,– / erm. 7,50 Euro

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